Suche:

 

Suchtprävention

 

1. Vorbemerkungen:

"Man weiß mittlerweile, dass drastische Abschreckung nicht viel bewirkt. Die meisten Menschen, auch junge Leute, kennen die Risiken, rauchen, trinken oder schlucken Pillen trotzdem weiter und verdrängen die Risiken ("Mein Großvater hat mit hundert Jahren noch geraucht!").

Suchtprävention als gesellschaftliche Aufgabe hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Vor allem seit man erkannt hat, dass die Suchtkrankheit nicht nur das Problem einer Minderheit ist, sondern weit verbreitet überall, in allen sozialen Schichten und in fast allen gesellschaftlichen Bereichen, vorkommt. Die Suchtkrankheit löst großes persönliches Leid aus und verursacht nicht zuletzt auch immense volkswirtschaftliche Kosten.

Suchtprävention hat ihren Schwerpunkt altersgemäß auf drei Ebenen:

1. In der Vorbeugung, damit eine Gefährdung gar nicht erst eintritt: Hier liegt der Schwerpunkt insbesondere bei Kindern, aber auch bei Jugendlichen;

2. bei Gefährdung, damit es nicht zu einer Abhängigkeit kommt: Davon sind meistens Jugendliche betroffen;

3. bei Abhängigkeit, um Rückfälle zu vermeiden: Betrifft hauptsächlich (junge) Erwachsene.

Alle drei Bereiche bauen aufeinander auf, wobei die Gefährdung oft nicht leicht von Abhängigkeit  abzugrenzen ist.                                             (Zitat aus www.elternimnetz.de)

 

Die schulische Prävention, die in erster Linie als Primärprävention bzw. Prävention im eigentlichen Sinne gedacht ist, benötigt deshalb einen Kriterienkatalog zur Bekämpfung derjenigen Suchtmittel, die charakteristisch für den Drogenkonsum im Kindes- und Jugendalter sind.

Ein erster Hinweis auf ein solches Kriterium ist die Tatsache, dass fast jeder Konsum, auch der von Erwachsenen, in der Phase der Pubertät einsetzt bzw. dort eingesetzt hat. Das Risiko, mit dem Konsum von Drogen zu beginnen, ist hier am höchsten (vgl. Kastner 1988), das Jugendalter ist offenbar auch in Bezug auf den Drogenkonsum eine Phase der Initialisierung (vgl. 6.2). Nicht zuletzt deshalb erhofft man sich aus Erkenntnissen zum Konsum bei Kindern und Jugendlichen auch Erkenntnisse in Bezug auf die allgemeine Suchtproblematik.

In Berücksichtigung dieser Erkenntnisse setzen moderne Konzepte schon in der frühen Kindheit an und wollen Eltern, Kindergärten und Schulen dabei unterstützen, Kinder gegen Suchtgefährdungen stark zu machen. Das bedeutet, Kinder zu selbstbewussten, eigenständigen und konsumkritischen Persönlichkeiten zu erziehen, die den Rückgriff auf Suchtmittel oder Suchtverhalten „nicht nötig" haben und sich gegenüber innerem und äußerem Druck selbstbewusst behaupten können.

Das soziale Umfeld muss dazu die Bedingungen bereitstellen, die Risiken klein halten und Orientierungen vorgeben. Die besondere Aufmerksamkeit aller Beteiligten liegt auf der Verhinderung aller Faktoren, die begünstigend oder förderlich für die Suchtentwicklung sein können. Die Primärprävention als oberster Grundsatz wird in den folgenden Überlegungen und Statements deutlich.

 

2. Allgemein:

Der Suchtbegriff, der unserem Verständnis zugrunde liegt, ist ein sehr weitgefasster, suchtmittel-unspezifischer, d. h. er ist nicht reduziert auf Suchtstoffe, sondern bezieht auch den Missbrauch von Aktivitäten mit ein. 

Sucht ist in diesem Sinne überwiegend die Reaktion auf problematische Lebenssituationen, für die keine adäquaten Bewältigungsstrategien vorhanden sind. 

Wir können uns also nicht auf isolierte Trainingsprogramme und Einzelaktivitäten beschränken, sondern müssen Prävention vielmehr ganzheitlich anlegen und als Gemeinschaftsaufgabe aller an der Erziehung Beteiligten sehen.

Die Suchtprävention zielt vor allem auf die Vermittlung von Lebenskompetenzen bei Kindern; d. h. die Verantwortlichen müssen Schule so gestalten, dass junge Menschen sich darin wohl fühlen, um Leistung erbringen zu können und wichtige Impulse zur positiven Persönlichkeitsentfaltung erhalten. Dies angemessen zu verwirklichen ist nur in intensiver Zusammenarbeit mit den Eltern möglich. 

Primärprävention setzt bei den Gesunden an. Sie bezieht die Ursachen für süchtiges

Verhalten mit ein und fördert individuelle Lebenskompetenz (Personenorientierung)

und entsprechende Umweltbedingungen (Strukturorientierung).

 

3. Grundsätze:

·   Das Ziel aller präventiven Maßnahmen muss die Stärkung derjenigen beschützenden Faktoren bei den Kindern sein, die ein späteres Suchtverhalten verhindern. Prävention sollte sich nicht in erster Linie mit dem Aufdecken von Defiziten beschäftigen, sondern vielmehr um den Aufbau positiver Verhaltensweisen bemüht sein /vergl. Salutogenese bei "Bewegte Schule-Gesunde Schule"

·   Prävention muss von einer positiven Grundstimmung getragen und auf die Zukunft gerichtet sein, d. h. sie soll Positives, Schönes, insgesamt Perspektiven vermitteln und im besten Fall Sinnfindung ermöglichen. 

·   Prävention muss glaubwürdig vermittelt werden; ein entsprechendes Vorbildverhalten ist eine wesentliche Voraussetzung. Sie ist grundsätzlich und elementar angewiesen auf das Einbringen der ganzen Persönlichkeit der Mittlerperson. 

·   Prävention kann keine “Heile-Welt-Lehre” sein; sie muss auch eingestehen, dass Probleme und Krisen zum Lebensalltag gehören. Sie ist darauf ausgerichtet, Strategien zu vermitteln, wie Krisen zu bewältigen sind. 

·   Prävention muss ganzheitlich und umfassend angelegt sein; d. h. reine Informationsvermittlung ist im günstigen Fall ineffektiv, im ungünstigen Fall schädlich. 

·   Schulische Prävention ist auf verstärkte Mitarbeit der Eltern angewiesen. Im Elternhaus findet der erste und nachhaltigste Einfluss auf den Umgang mit Suchtmitteln statt. 

·   Schulische Prävention meint nicht noch mehr Angebot, Animation und Konsum, sondern im Gegenteil weniger und gezielte Maßnahmen mit anderer Akzentuierung, sie enthält auch Forderungen an die Kinder, vor allem in Hinsicht auf Verantwortung (siehe Schülervertretung).

·   Schulische Prävention bezieht das Umfeld und besonders das Elternhaus mit ein. Hier finden die intensiven und direkten Kontakte mit suchtimmanenten Verhaltensweisen statt. Eltern sind immer direkte und starke Vorbilder für ihre Kinder. Der pädagogische Ansatz der Schule wird gegen prägendes Vorbildverhalten nichts ausrichten können, bestenfalls einfache Reparaturen vollführen können.

·   Sie gibt Hilfestellung bei der Schaffung von Alternativen zum Suchtverhalten, insbesondere durch entsprechende Vorschläge zur Freizeitgestaltung, zur Steigerung der allgemeinen Genussfähigkeit und durch das positive Erleben von Gemeinschaft.

 

Für den Bereich der Grundschule bietet sich das Modell der Lebenskompetenzentwicklung bzw. Lebenskompetenzförderung an. Daraus ergibt sich der Ansatz der Stärkung der protektiven Faktoren.

Suchtprävention impliziert auch ein Training der Standfestigkeit gegen sozialen Druck. Das Einüben von Reflexion spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. 

 

 

4. Maßnahmen:

Das Präventionskonzept der Liobaschule zielt auf die Stärkung eines gesunden und realistischen Selbstbewusstseins und einer kontinuierlich sich steigernden Selbstständigkeitsentwicklung. Der Erwerb von sozialen Kompetenzen, insbesondere von Kommunikations- und Konfliktlösungsfähigkeiten, die Offenheit für Interaktionen und die Freude an sozialen Beziehungen verstärken die Bemühungen.

 

Im Folgenden sollen Maßnahmen aufgezeigt werden, die bereits im täglichen Schulalltag integriert sind. Die aufgeführten Mosaiksteine sind im Rahmen des pädagogischen Gesamtkonzepts zu sehen.

 

4.1. Schaffen positiver Rahmenbedingungen (Schulklima)

·   Gestaltung des Schulraums und des Schulhofes (unter Mithilfe des Fördervereins und der Elternschaft)

·   Pausengestaltung (Möblierung, Bühne, Spielmöglichkeiten, ruhiges Spiel im Forum, Fußballfelder, Kletterwände, Tipi-Dorf)

·   gemeinsame Feste (Schulfeste, Weihnachtsfeiern, Laternenfeste, Flohmärkte, Einschulungsfeier, Verabschiedung der 4. Klassen, Forum, Seniorenadvent, Laternenfest,....)

·   verschiedene schulische Veranstaltungen (Schulwandertag, Klassenfahrten, jahrgangsweise Ausflüge, Theaterbesuche, Theatervorführungen, Schwimmwettkämpfe, Spielwettkämpfe im Völkerball und Fußball, Leichtathletikwettkämpfe, Projektwochen, ...)

·   Vereinbarung einer Schulordnung mit Eltern und Schülern, Regelungen zum Umgang mit Gewalt

·   Konzept zur Gewaltprävention, Maßnahmen zur Prävention von Gewalt

 

4.2. Außerunterrichtliche Aktivitäten

   außerschulische Präsentationen und Auftritte von Schülergruppen (Chor, Theatergruppe, Seniorenadvent, Seniorenbasteln, Fußballprojekte,....)

   Angebote außerschulischer Partner in den Räumen der Liobaschule (Kreismusikschule mit Flötenunterricht, Theaterwerkstatt, Designwerkstatt, Kunstwerkstatt, Sprachwerkstatt,...)

 

4.3. Unterrichtliche und unterrichtsbegleitende Aktivitäten

   Angebot gesunder Getränke (Wasser)

   Möglichkeiten zum gemeinsamen Schulfrühstück

   Ernährungslehre als Teil des SU

   Regeln und Rituale im Unterricht

   Bewegungselemente im täglichen Unterricht

   Schulsport positiv erleben (z. B. kooperative Spiele)

   Übernahme von „Diensten“ in eigener Verantwortung (in der Klasse, auf dem Schulgelände)

   Wahl und Begleitung einer „Klassensprecherin“/eines „Klassensprechers“

   unterrichtliche Behandlung der „Stoppregel“

   Treffen in der Schülervertretung

   Verdeutlichung des Sinns sozialer Verantwortung (z.B. mit Hilfe von Lektüre )

   schülerzentrierte Projekte (z.B. im Rahmen der AGs)

   Gemeinschaftsarbeiten zur Ausgestaltung der Schule

   Sinnvoller Umgang mit Medien (vgl. Medienkonzept)

 

4.4. Elternarbeit

   Elternabende - neue Methoden und Inhalte schulischer Erziehung erzeugen oft bei Eltern Misstrauen und Unsicherheit: Info an Eltern über Sinn und Zweck solcher Methoden und Inhalte  - gemeinsame Ziele entwickeln (z.B. gesundes Schulfrühstück, Bewegungszeit, Konsumverhalten)

   Informationsveranstaltungen für Eltern (z.B. Umgang mit Internet, „weiche“ Drogen,...)

   Veranstaltungen des Fördervereins

   Beteiligung von Eltern an schulischen Aktivitäten wie Projekten, Schulfesten, Sportfesten, Wandertagen, Klassenfahrten, Schulhofgestaltungen, Lesenacht,  usw.

   Einbindung von Eltern bei unterrichtlichen Aktivitäten (z.B. Polizei, Feuerwehr, Betreuung bei Klassenfahrten, Vorlesetage)

 

 

5. Weiterarbeit:

Neben den o.g. Maßnahmen sollen weiterhin intensiv begleitende Angebote für das gesamte Schulleben entwickelt werden. Bei der Bewältigung dieser Aufgaben ist die Schule verstärkt auf die Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten angewiesen. Sie muss mit entsprechenden vertrauensbildenden Maßnahmen das Klima für ein gemeinsames Wirken im Sinne der Suchtprävention schaffen. Schließlich ist die Einbeziehung des örtlich vorhandenen außerschulischen Umfeldes sehr empfehlenswert, z. B. die Zusammenarbeit mit entsprechenden Arbeitskreisen, mit Sportvereinen,..... 

Außerdem muss dem Aspekt der Mitarbeiterfürsorge Rechnung getragen werden.

Die Inhalte dieses Konzeptes werden im Unterricht behandelt. Sie wurden in der Schülervertretung in vielen Sitzungen immer wieder angesprochen und inhaltlich diskutiert (siehe Protokolle der SV).